| Kritik an Europa |
|
|
|
| Donnerstag, 20. Dezember 2007 | |
|
In der Europäischen
Union hat sich nach der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht und Die Linksjugend ['solid] bekräftigt ihre Mitarbeit im Europäischen Netzwerk ENDYL und unterstützt die Kampagne des europäischen Jugendverbandes gegen Prekarisierung und Ausgrenzung. Für eine Europäische Verfassungsdebatte: Den Reformvertrag ablehnen! Im Zuge der werdenden Staatsbildung Europas, der die Herausbildung eines Staatsvolks begleitenden Identitätskonflikte und der Festlegungen zu den Beziehungen zwischen Bevölkerung und Staat ist gegenwärtig der richtige Zeitpunkt für eine europäische Verfassungsdebatte. Die transnationale Diskussion und die souveräne Ablehnung des durch die Herrschenden vorgeschlagenen Verfassungsentwurfs durch die französischen und niederländischen Bürgerinnen und Bürger sind Meilensteine auf dem Weg zur Europäisierung der politischen Prozesse in unseren Ländern. In einem Verfassungsprozess müssen einklagbare Grundrechte für alle Bürgerinnen und Bürger rechtsgültig festgeschrieben, die europäische Einigung demokratisch legitimiert und das politische Zusammenwachsen Europas befördert werden. Der vorliegende Reformvertrag ist hierfür keine Grundlage. Er steht gegen die Interessen der Bevölkerungen, schreibt eine Wirtschaftspolitik der liberalisierten Märkte, des freien Kapitalverkehrs und der Privatisierung vor. Er führt zur Schwächung von Demokratie, Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen in Europa und damit zu einer weiteren Entfremdung zwischen der Bevölkerung und den undemokratischen Institutionen. Wir fordern einen offenen Neugründungs -und Verfassungsprozess, in dessen Verlauf die Bürgerinnen und Bürger die ihnen entfremdet gegenüberstehenden EU-Institutionen überwinden und eine demokratische, soziale und friedliche Europäische Union schaffen.
Die Linksjugend
['solid] beteiligt sich an der Unterschriftenkampagne der Partei der Europäischen
Linken. Für ein Europa der Linken, Gewerkschaften und Bewegungen. Um die
Demokratisierung Europas zu erkämpfen und auszufüllen braucht es eine
europäische Zivilgesellschaft sowie eine europaweite Organisierung und Koordinierung
von Interessensvertretungen,
insbesondere der Gewerkschaften. Die Linke muss sich zum Ziel setzen, sowohl
„politische“ Konflikte im engeren Sinn als auch Auseinandersetzungen um Löhne und
Arbeitszeiten auf europäischer Ebene führen zu können. Ihre Parteien,
Gewerkschaften und Bewegungen müssen bereit sind, auf europäischer Ebene im
Kampf um das politische und wirtschaftliche Modell in die Offensive
überzugehen. Um politische Auseinandersetzungen zu gewinnen, braucht es breite
Bündnisse aus Parteien, Bewegungen und Gewerkschaften, die die Bürgerinnen und
Bürger auf die Barrikaden treiben. Erfolgreiche Praxis war die
Auseinandersetzung um die EU-Verfassung in Frankreich, wo linke Parteien ein
wichtiges und organisatorisches Rückgrat bildeten. Sie akzeptierten kleinere Organisationen
als gleichberechtigte Partnerinnen und stellten ihre Infrastruktur der gemeinsamen
Sache zur Verfügung. Eine linke Partei braucht ein programmatisches und themenorientiertes
Politikverständnis und eine aktive Massenbasis. Zugleich muss sie strategische Fragen
auf europäischer Ebene erkennen und aufgreifen, um genügend Zeit für die
Information der Bevölkerung und die Zuspitzung der Konflikte zu haben. Soziale
Bewegungen können ein breites politisches Spektrum abdecken und entwickeln sich
dynamischer als fest gefügte Parteien. In Phasen politischer Konjunktur und von
Massenprotesten ermöglichen sie die Entfaltung massiven Drucks auf der Straße.
Sie wirken durch Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Die Linksjugend ['solid] will die Vernetzung von linken Parteien, Gewerkschaften und Bewegungen weiter vorantreiben und die Europäischen Sozialforen weiterentwickeln; dafür beteiligt sich unser Jugendverband das fünfte Mal in Folge am Europäischen Sozialforum im schwedischen Malmö im Jahr 2008. Europa konkret anpacken: Camp for Climate Action 2008. Es sind globale Herausforderungen, die die Internationalisierung der Politik erfordern und alternativlos machen. Aber wir müssen uns davor hüten, in jedem Ansatz der Europäisierung zivilgesellschaftlicher Organisationen eine Stärkung progressiver Kräfte zu sehen: Die Zustimmung des Europäischen Gewerkschaftsbundes zur EU-Verfassung und die weitgehend „konstruktive Begleitung“ des Bologna-Prozesses durch Studierendenvertretungen auf europäischer Ebene sind mahnende Beispiele. Wir brauchen transnationale Vernetzung nicht als Automatismus oder Selbstzweck, sondern um die Kämpfe zu führen und die politischen Projekte zu verwirklichen, in denen grenzüberschreitendes Handeln im Interesse der Menschen ist. Ein Beispiel ist der Klimawandel, eine Katastrophe für die gesamte Menschheit, gegen die der einzelne Nationalstaat machtlos ist. Der Politik der Energiekonzerne können wir nur im Rahmen einer international verfassten, also global denkenden und handelnden Bewegung gegenübertreten. Die Linksjugend ['solid] wird daran mitwirken, die ökologische Linke als europäische und globale Bewegung aufzubauen. Inspiriert von den „camps for climate action“ in Großbritannien, werden wir im Sommer 2008 ein solches Camp auch in Deutschland organisieren. |
| < zurück |
|---|